Wenn in Béziers alle tanzen und singen

Heilbronner mit schwäbischen Spezialitäten auf der Féria – Lehrensteinsfelder sorgen musikalisch für Stimmung

Der Musikverein Eintracht aus Lehrensteinsfeld sorgte mit Titeln wie Samba do Brasil und Copacabana für gute Laune. Eine ähnliche Ausgelassenheit der Zuhörer hatten die Musiker noch nie erlebt.

Von unserer Redakteurin Petra Müller-Kromer

Heilbronn/Béziers Mit Lkw, Kühlanhänger und Neun-Meter-Bus sind sie ins südfranzösische Béziers gefahren, rund 1000 Kilometer vom heimischen Heilbronn entfernt.
Unter anderem 1300 Würstchen, 120 Kilogramm Maultaschen, die hier als Alman Ravioli über die Theke des schwäbischen Stands gehen, Hunderte Liter Bier, aber auch gelben Muskateller und Riesling im Gepäck.
Intensive Tage bei der Féria, der fünftägigen Festlichkeit im Süden Frankreichs mit einer langen Partymeile voller Musik und Tanz bis in die Nacht bei schwülheißen Temperaturen liegen hinter den insgesamt 22 Mitstreitern, die mit den Amicales Béziers hergekommen sind und auf privater Ebene die Fahne der Städtepartnerschaft zwischen Heilbronn und Béziers hochhalten. Nicht alle sind Vereinsmitglieder aber alle Féria-Fans.
Tausende Gäste kommen jedes Jahr
Tausende auch internationale Gäste vergnügen sich dort jedes Jahr. „Besonders voll wird es ab 20.30 Uhr, wenn die Stierkämpfe in der Arena beendet sind“, berichtet der Vorsitzende des Vereins, Oliver Brux. Das umstrittene abendliche Spektakel, das mit dem Tod des Stieres endet, hat dort wie im rund 100 Kilometer entfernten Spanien Tradition.
Viel Polizei ist jedes Jahr vor Ort. Zur Unterstützung werden auch regelmäßig deutsche Polizeibeamte entsendet, etwa aus Nordrhein-Westfalen. „Das Sicherheitsgefühl hier ist sehr gut“, sagt Brux.
Egal ob fließend französisch sprechend oder sich mit ein paar Brocken radebrechend durchlavierend: Am Heilbronner Stand ist jeder Helfer willkommen. Mit 22 Männern und Frauen war die Delegation in diesem Jahr größer als sonst. Dass die Amicales Béziers und ihre Unterstützer 2027 wieder dabei sind, steht jetzt schon fest.
Heilbronner Besuch hat Tradition
Begonnen hat die langjährige Heilbronner Tradition im Jahr 1995. „Damals haben wir gesagt, wir gründen einen Verein“, sagt Brux, der bereits in seiner Studienzeit im office du tourisme in Béziers gearbeitet hat. „Bis auf die zwei Corona-Jahre waren wir jedes Jahr bei der Féria. Vergangenes Jahr hatten wir 30-jähriges Jubiläum. Darauf sind wir stolz.“ Die nächste Reise in die 80.000-Einwohner-Stadt unweit des Meeres mit ihrer Jahrtausende alten Geschichte ist schon in Planung und findet pünktlich zum Weihnachtsmarkt statt.
Auch aus Lehrensteinsfeld waren in diesem Jahr 74 Mitglieder vom Musikverein Eintracht nach Okzitanien gereist, darunter 45 aktive Musiker. „Wir sind gezielt nach Béziers gekommen, um an der Féria teilzunehmen“, sagt Vorsitzender Klaus Föll. 16 Jahre alt ist der jüngste Teilnehmer, weit über 70 der Älteste.
Die Reise nach Frankreich war von langer Hand geplant. Seit anderthalb Jahren hat der unternehmungslustige Verein, der bereits in Kalabrien, Südengland und in Amerika auf Tour war, mit dem Tourismusbüro in Béziers verhandelt und Vorbereitungen getroffen. „Unsere Auftritte sehen so aus, dass wir für 20 Minuten an einer Ecke spielen und uns dann die nächste Stelle suchen.“ Das sei teilweise ein wenig schwierig, weil viele Stände ihre eigene Beschallung hätten.
Beeindruckend ist die Atmosphäre
Trotzdem genießen die Lehrensteinsfelder die besondere Atmosphäre, die hier bei Stücken wie Samba do Brasil und Copacabana herrscht. „Alle tanzen, alle singen, so eine Atmosphäre haben wir noch nie erlebt. Das wäre undenkbar in der Region Heilbronn.“
Föll lacht. „Und wir stehen natürlich auch nicht da wie die Ölgötzen. Wir machen auch Polonaise.“ Klar halten sie auch zu den Heilbronnern Kontakt und besuchen regelmäßig deren Stand.
Insgesamt vier Mal haben die Musiker aus dem Landkreis Heilbronn während der Partytage ihr Können zum Besten gegeben. Zwei Abende bei der Féria, ein Mal in der historischen Markthalle und dann als kleines Dankeschön vor ihrem Hotel.
Fölls Fazit: „Die Franzosen sind sehr freundlich, sie sprechen wenig Englisch, und was wirklich beeindruckend ist, ist die Stimmung. Das hebt sich deutlich ab von allem, was man kennt.“

„Bis auf die zwei Corona-Jahre waren wir jedes Jahr bei der Féria.“
Oliver Brux

Quelle: Heilbronner Stimme vom 19.08.2026
Link: https://epaper.stimme.de/artikel/a5c0023e31edad3e99c6785b5b2b369916f24e8ab088d54453bea5107d0882b1

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